Historische Geschichte von Mels,
insbesonders des Wandels
von der Noth-Armenspend
bis zum Altersheim Melibündte, Mels
Die verschiedenen Namen der Institution:
Noth-Armenspend / Sondersiechenhaus / Spital-Spittel / Armenhaus / Armenanstalt / Waisenhaus / Bürgerheim / Altersheim Melibündte
Die verschiedenen Namen des Kirchspiel/Gemeinwesen:
Mailes / Meile / Meilis / Melis / Mayls / Mails / Mail / Meli / Melsensis / Melsius / Melium / Magalia / ad Malos / Melis Terra / Melidis
ca. 2.Jahrtausend v.Chr.
Nachgewiesene Siedlungsspuren unter dem Boden im Chor der Peter und Paul-Kirche (Scherben, Knochen, Feuerstelle)
ca 550 n.Chr.
Ebenfalls unter dem Kirchenboden entdeckte Fundamente einer Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor aus Merowingerzeit als Begräbnisstätte einer begüterten Familie. Diese "Eigenkirche" wurde in einer Schenkungsurkunde des Churer Bischofs Tello im Jahre 765 (Testament des Tello) ans Kloster Disentis ausdrücklich ausgenommen.
765 n.Chr.
Mit obigem Dokument von Bischof Tello erste urkundliche Erwähnung von Mels, darin "Mailes" genannt
8.Jh. bis ins 12.Jahrhundert
waren die hauptsächlichen Grundbesitzer vor allem die Klöster Disentis, Einsiedeln, Pfäfers und Schänis, welche hier Meiereien hatten. Burg Nidberg (1265-1437) = Sitz der Meiern von Windegg, diese diente als Meierhof des Klosters Pfäfers . (Meier bedeutete Eintreiber/Verwalter)
1260
Aelteste bekannte Urkunde über ein "Kirchspiel Mels" (jetzt Kirchengemeinde) welches Armen- und Altenfürsorge betrieb. Diese wurde "Spend" genannt und beinhaltete das Zurverfügungstellen von Schlafstätten in Scheunen od Hütten, Verteilung von Suppe und Brot und an speziellen Feiertagen auch Käse und Schmalz
15.Jahrhundert
Das bis anhin zum rätoromanischen Sprachgebiet gehörende Mels wird germanisiert
1483-1798
Das Gebiet von Mels untersteht als Teil der Landvogtei Sargans den sieben, resp ab 1712 den acht alten Orten der Eidgenossenschaft
1526
Ein eigentliches Pestjahr fordert in Mels sehr viele Opfer, nachher wieder in den Jahren 1611 (600 Tote), 1628 (750 Tote), und 1676 (? Tote)
1527
"Armen-Leute-Rodel" Pfarrei Mels, geführt duch "Armeleutepflegschaft zu Mels"
Eintrag: "... 1 Schöffel Korn und ein Kes für armen Lüten ....."
1527 -1597
Zinsrodel und Abrechnungen mit "Armeleutevögten"
1535
Zinsbriefe für "Sondersiechenhaus" bei Kapelle Heiligkreuz, damals Tschervingen genannt. Mitten im Sumpfgebiet, wahrscheinlich einziges Haus ausser Kapelle, für gesondert zu haltende Aussätzige. Geleitet durch "Vogt und Pfleger". (Pfleger bedeutete damals aber nicht Krankenpfleger, sondern war die Bezeichnung für Verwalter) Auf Grund der Bilderzyklen in der am alten Römerweg gelegenen Kapelle bestand dieses bereits seit ca Mitte 15.Jahrhundert. Die älteste Ueberlieferung bezieht sich auf die dortige Magnus-Bruderschaft um 1420.
Es bestehen Hypothesen, dass es sich um den Ursprungsbau des heutigen Hotel Kreuz handeln könnte.
1539
Urkunde: "... dem Jörgen Locher wohnhaft zu Meils ennet der Brugg, als Vogt und Pfleger armen Sondersiechen des Huses under Mails by dem heiligen Krütz gelegen..."
1580-1728
Abrechnungen Vögte-Löhne
1582
Die Witwe des Herrn von Gräpplang, Amantia Nussbaumer, vermacht ein Riesenvermögen von 2'600 Gulden an Walenstadt, Flums, Mels, Sargans und Ragaz für die Verteilung von Brot an die Armen. Damit legt sie die Grundlage aller Armenfonds in den Gemeinden des Sarganserlands. In Mels verteilte in der Folge der Armenvogt jeden Freitagmorgen nach der hl.Messe Brot an die Armen.
1641
"Melser Spend" im "Urbar" aufgeführt bis ca 1839. Beinhaltete vor allem Brot, Schmalz und Mehl, das an Bedürftige verteilt wurde. Speziell jeden Freitag wurde in der Kirche nach der hl Messe Brot an die Armen verteilt.
1650 bis 1654
Bau des Kapuzinerklosters. Zuerst gedacht bei der "Klos" dicht bei Pfarrkirche (heute Friedhof), dann aber auf Wunsch der Kapuziner in grösserem Abstand auf dem "grossen Feld". Auf der "Klos" waren vorher Beguinenschwestern tätig.
Andere Quellen sprechen von einem Klarissinenkloster. Zur Klos gehörte die Kapelle St.Clara, die direkt an der Nordseite der Pfarrkirche angebaut war und mit dieser durch ein offenes Holzgitter visuell verbunden war. Sie wurde 1556 durch ein Feuer im Gegensatz zur Klos nicht zerstört . (Dabei wurde aber das Kirchendach der Pfarrkirche stark beschädigt). Die letzte Klausnerin verstarb im Jahr 1577.
Aus dem Einkommen der "Klos" wurde bis weit nach 1643 immer der Schulmeister bezahlt, und erst ab 1643 durften die Gemeindegenossen ihren Schulmeister selber wählen und entlassen. (Einschränkung infolge Zwistigkeiten durch die Tagsatzung 1666: "....im Beisein des jeweiligen Pfarrherrn...")
1658
"Gemeinwesen Mels" kauft Haus. Es wurde "Herberg für Arm Lüt" und "Spital" (Spittel) genannt, mit anliegender Kapelle. Dabei handelte es sich höchstwahrscheinlich ums Haus "Alte Sonne" und um die 1670 auf den Grundmauern eines noch älteren Gotteshauses erbaute und 1691 geweihte Marienkapelle (auch Kapelle Unserer lieben Frau genannt) im Dorfzentrum. "Alte Sonne" und Kapelle waren sowohl durch ein Fenster wie auch durch eine Türe verbunden. Auch ins Kapelltürmchen gelangte man nur durchs Haus.
1685
Landvogt von Sargans besiegelt die erste Gemeindeordnung von Mels, auch Ruhbrief genannt. Dieser Rat der " Gmeind", "Kirchhöri", "Kirchspiel", oder "Gnosamy" nannte sich "Zwölfer" und umfasste Orts-, Bürger-, Kirchen- und Schulaufsicht. Der Name "Ortsgemeinde" wurde erst im Laufe des 18.Jahrhnderts geläufig
1710
Urkunde über Stiftung resp Schenkung an "Spittel"
1727
Die alte Kirche (eventl. Kapelle St.Klara, denn die lag höchstens ein paar Meter weiter weg..) wird abgebrochen und mit dem Bau der jetzigen Pfarrkirche St.Peter und Paul (vollendet 1732) begonnen, weil "...das plötzlich einbrechende Dach könnte das versammelte Kirchenvolk zerquetschen und so einen jammervollen Trauerfall bewirken..."
1748
Das Pfrundhaus, heute Pfarrhof genannt, wird neben Kirche gebaut mit Scheune und Torkel.
1766
Urkunde über "Stiftung für Berufserlernung von Armengenössigen"
1767
Am 29.Juli wird Mels bei starkem Wind von der schlimmsten Brandkatastrophe heimgesucht, ausgehend vom Haus des Bäckers und Richters Jakob Wachters. Das Feuer war von Anna Broder aus Hass gegen Richter Wachter gelegt worden. Sie wurde daraufhin am 27.Aug durch das Blutgericht auf Schloss Sargans zum "Tode durch Enthaupten, Leichnam verbrennen und Asche unter Galgen vergraben" verurteilt.
1798-1803
Mels ist Hauptort des Distriktes Mels im Kanton Linth. 1803 wird Mels dem Kt.St.Gallen eingegliedert
1799
Die Franzosenzeit: die alte Eidgenossenschaft wird durch Frankreich besetzt, welches 1798 die helvetische Republik ausrufen lässt, was aber Oesterreich, England und Russland nicht dulden wollen und gegen den französischen Feldherrn Napoleon Bonaparte in den Krieg ziehen. Die ganze Region leidet unter dem Durchmarsch, resp. Rückzug der Armee von General Suworow. (Schöllenen/ Chienzigpass/ Muotathal/ Pragelpass/ Glarnerland/ Panixerpass/ Vorderrheintal/ Chur/ Luziensteig/ Lichtenstein/ Feldkirch) Noch Jahre später tauchen versprengte russische Soldaten auf, die entweder verirrt oder desertiert waren, insbesonders in der Gegend Weisstannental bis Elm
1814
Mels ist unzufrieden mit der mangelnden pol. Mitbestimmung im Kanton St.Gallen. Es ensteht eine Trennungsbewegung mit dem Wunsch eines Anschlusses an den Kanton Glarus, was aber trotz grossen Unruhen keinen Erfolg hat.
1836
Armenfürsorge wird mit neuen kantonalen Gesetzgebungen schrittweise von der bisher fürsorgepflichtigen Bürger- resp Orts- oder Heimatgemeinde an die Politische Gemeinde Mels übergeben.
1838
Ortsgemeinde schenkt der polit.Gemeinde wertlose Bachruns für den Bau eines Armenhauses mit angegliederter Landwirtschaft
1838
"Armen- und Waisenhaus" wird bei jetziger Omag gebaut. Schlafsääle für je 8-10 Personen waren die Regel, spartanisch eingerichtet mit Bett und Kästli. Das Gelände war damals wertlos, "alte Bachruns" genannt, nur steinig, Geröll, Dornengebüsch. Die "Armeneltern" hatten die klare Vorgabe, mit den "Insassen" dieses Gebiet kultivierbar zu machen. Als grosse Innovation wurde festgehalten, dass jeder Insasse für sich alleine eine Schlafstätte bekam!
1839
Bei der Eröffnung baten 21 Gesuchsteller um Aufnahme, teils mit Kindern oder gar ganzer Familie. Sie hatten ihr ganzes Eigentum, resp Hausrat mitzubringen, welches penibel inventarisiert wurde. Das Inventar spricht Bände, was deren Armut anbetrifft. Teils nur die angezogenen Kleider, teils ein Laubsack und ein Leintuch, oder eine Pfanne und eine Kachel, oder nur eine Axt oder eine Hacke. Pflicht war, gleich alles mitgebrachte Gewand und Gerät peinlichst genau von "Fleuchendem und Kräuchendem" zu befreien. Viele dieser Gesuchsteller waren bis dahin auf die "Melser Spend" angewiesen.
1839
Per Dekret aus St.Gallen mussten im Sarganserland die vielen Spend-Fonds zusammengelegt werden auf 3 Hauptstationen Walenstadt, Sargans und Ragaz. Dies löste jahrelange Prozesse und Streitereien um die verschiedenen, teils recht ansehnlichen Fondsvermögen aus.
Bisher musste jede Gemeinde, resp. deren "Spend", selber für "zugelaufene" Arme, Kranke und Gebrechliche aufkommen, d.h. Verköstigen, kurzzeitig beherbergen und dann mit der "Armenfuhr" an die jeweilig zuständige Ortsgemeinde weiter transportieren.
Aus diesem Grunde hatten die dazumaligen Gemeindepolizisten, genannt Landjäger, auch die wichtige Aufgabe, ".. tunlichst zu verhindern, dass Landstreicher über die Gemeindgrenze eindringen können, damit die Gemeind nicht pflichtig werde.."
Die "Spend" war bisher auch zuständig für Hebammenkosten, Toten- und Begräbniskosten und die wöchentlichen Brotausteilungen.
1839
Erstes Armenhausreglement mit 114 Artikeln: Bei eintretenden Personen geht das ganze Eigentum, sofern vorhanden, ins Eigentum der Armenanstalt. Eltern von unehelichen Kindern, die in der Anstalt untergebracht werden müssen, können zur Abverdienung der Unterhaltskosten zu Frondiensten in der Anstalt angehalten werden. Alle Insassen können zu Arbeiten im und ums Haus angehalten werden, aber auch an Dritte zu Gunsten der Anstalt verdingt werden
1839
"Alte Sonne" wird von der Gemeinde verkauft, da "Spital" nicht mehr benötigt wurde.
1843
"Abkurungsvertrag" mit Ortsgemeinde Mels und Weisstannen: Armenwesen wird fortan gemeinsam von der politischen Gemeinde Mels geführt. Wahrscheinlich ab dieser Zeit kein Spittel mehr in Weisstannen. Jenes Haus existiert noch in Weisstannen, allerdings mehrfach umgebaut. (Direkt neben Haus "Alt Hirschen", ehemalige Gastwirtschaft)
1844 bis 1890
war infolge der langen, sehr umfassenden allgemeinen Armut die grosse Auswanderungswelle im Sarganserland. Nicht weniger als 2279 Personen aus dem Sarganserland und 2244 Werdenberger wanderten in dieser Zeit nach Amerika aus. Die Armenbehörden aller Gemeinden unterstützten grosszügig, -aber nicht uneigennützig-, diese Auswanderer. Die Armenlasten waren so gross, dass die Verwaltungen froh um Jeden war, der nicht mehr ständig bei ihnen anklopfte. Spediteure boten "Auswandererverträge" als Pauschalangebote für Bahn und Schiff samt Verpflegung an. Die Preise für Erwachsene betrugen 165 Franken, Schüler 135 Franken, Kleinkinder 110 Franken, Säuglinge durften gratis reisen.
Die meisten Melser Auswanderer liessen sich im Staate Illinois in und um die neue Stadt Highland nieder und betrieben Landwirtschaft. Auf einem Besiedlungsplan von 1847 sind Farmen der Familien Bleisch, Good, Gubser, Guntly, Landolt, Müller, Pfifner, Schnider und Schneider, Tschirgie und Zimmermann überliefert.
1847
Kirchlich wird Mels vom Bistum Chur ins Bistum St.Gallen verschoben
1852 und 1861(ganz leicht abgeändert)
"Reglement für das Armenhaus der polit.Gemeinde Mels" mit Zustimmung von "Landammann und Kleiner Rath des Kt St.Gallen:
"Der Zweck des Armenhauses ist .....Notharmen in gemeinschaftlicher Haushaltung, Erwachsene zu bethätigen, u. zu ernähren, Kinder zu erziehen und Kranke zu verpflegen, um so die Armuth zu erleichtern und dem Gassenbettel etc entgegen zu steuern."
"Armenvater und -Mutter" führen ein gestrenges Regiment und harte Ordnung, die über Nahrungsentzug bis zur Arrestierung und körperlichen Züchtigung geht.
".... Aufnahme wird gewährt: ...Verpfründete, für die bereits ein Accord vorliegt...., ...Arbeitsscheue und herumschweifendem Lebenswandel Ergebene... "
"es wird verlangt: Gehorsamkeit, Genügsamkeit, Bescheidenheit, Aufrichtigkeit, Verträglichkeit, sittlich religiöses Betragen..."
"bei gestrenger Straf verboten sind: unanständige Spiele, wüstes Reden u Schimpfen, Tabakrauchen, Schnupfen u. Branntweintrinken..."
"..insbesonders das Ausgehen ohne Erlaubnis des Armenvaters ist untersagt..."
"... anempfohlen werden häusliche Andachten, Morgen- Abend- und Tischgebete und andere andächtige Uebungen"
"...welche sich Disciplinfehler zu schulden kommen lassen, werden je nach Umständen angewendet: a.)Belehrung und Ermahnung / b.)Abbitte / c.)Sonderung am Tisch / d.)Strafarbeiten / e.)Abbruch an Nahrung / f.)Arrest bei gewohnter Kost / g.)Arrest mit Abbruch der Nahrung / und schliesslich h.)Körperliche Züchtigung mit Ruthenstreich, jedoch nur für Kinder.
1853
Menu-Empfehlung aus einem "Inspections Bericht: Morgens Suppe und Brod, für ältere Leute Kaffee und Brod // Mittags Milchmus oder Haferbrei oder Gemüse und Tatsch oder Suppe und Erdäpfel // Abends Türkenmus mit Milch
1854
Es wird ein grosser Stall zum Landwirtschaftsbetrieb der Anstalt gebaut.
1855
"Alle vermöglichenden Insassen" werden zur Mithilfe beim Eisenbahndamm-Bau der "Vereinigten Schweizer-Bahnen" verdingt.(Vormals Südostbahn) Das Bahntrasse verlief längs des Anwesens der Armenanstalt und wurde vom Verwaltungsrat von Mels akkordweise zur Ausführung übernommen.
1856
Neben dem neuen Stall wird ein Waschhaus gebaut. Die Anstalt wurde auch um eine "Kinderstube" erweitert.
1857
(Vertrag v 10.5.1856) Ab diesem Jahr wird die "Armenanstalt" von den "Barmherzigen Schwestern vom hl. Kreuz" geführt (Nachmals die "Ingeboler Schwestern") Zugleich Erweiterung mit Kinderstube und Waschhaus.
1864
Urkunden über Zwist zwischen Armenbehörde und Mutterhaus der Ordensschwestern. Der Präsident bittet dabei "..dass es nicht möglich ist, vor der Bürgerversammlung einen bestimmten Bescheid geben zu können auf die Frage, ob die Armenbehörde gesonnen sei, die Schwestern für die Zukunft wieder beizubehalten oder nicht.." und "..dass es mir lieb wäre, wenn Sie die Schwestern bis auf weiteres hier belassen würden..."
1879
Vertrag über die Anstellungsbedingungen mit den Ordensschwestern: " ...Die Schwestern erhalten in der Anstalt abgesonderte Wohnung, jede ein vollständiges Bett und ihrem Stande entsprechendes Mobiliar ...." "...Für jede der anzustellenden Schwestern werden jährlich zur Bestreitung ihrer Kleidung und sonstiger Bedürfnisse 150 frs, und pro Kandidatin 75 frs entrichtet... Ausser Kost, Logis, Holz, Licht, Wäsche, Reisegeld und dieser Besoldung haben die Schwestern nichts anzusprechen...."
1898
Erste Ingebohler-Schwester arbeitet für den ein Jahr vorher gegründeten Krankenpflegeverein in der ambulanten Krankenpflege in der Gemeinde Mels. Sie hat Kost und Logis in der Anstalt. Das ihr unterstehende, sehr umfangreiche und neuzeitliche Krankenmobilienmagazin ist ebenfalls in der Anstalt untergebracht. Sie erhält nebst Kost, Logis, Licht- und Heizmaterial, Wäsche und Reisespesen noch 150 frs. jährlich. Ausdrücklich wird erwähnt, dass sie bei allen Krankheiten eingesetzt werden darf, aber explizit nicht als Wöchnerinnen-Hilfe.
1899 (und 1901 identisch mit Flums)
Vertrag zwischen kath.Waisenanstalt in Menzingen und Armenbehörde Mels: "Die pol.Gemeinde Mels übergibt ihre Armen-Anstalts- resp Waisenkinder -vom 15.April 1899 an- der kath.Waisenanstalt in Menzingen zur standesgemässen Verpflegung und Erziehung. Schulpflichtige Kinder besuchen die Gemeindeschule in Menzingen, fähige Kinder haben unentgeltlich Zutritt zur Sekundarschule. Alle Kinder besuchen den Religionsunterricht. Es werden nur Kinder von 2-14 Jahren aufgenommen. Die Armenkasse Mels bezahlt pro Jahr und Kind 160.-- pauschal für Kost, Logis, Kleidung und Wäsche, und fürs Schulmaterial, zuzüglich Arzt- und Sterbekosten(?) von Zöglingen sowie die Reisekosten von und zu der Anstalt"
1909
2.Vertrag zwischen "Titl.Vorstand des Krankenvereins Mels und dem Institute der Schwestern vom Heiligen Kreuze in Ingenbohl" "zwecks Zurverfügungstellung der notwendigen Zahl Schwestern behufs Besorgung des ambulanten Krankendienstes". Grösste Aenderung: Entlöhnung wird auf 200 frs heraugesetzt, und die Schwester hat Anspruch auf 10-14 Tage Ferien gegenüber vorher 8-10 Tagen. Diese Ferien müssen im Mutterhaus verbracht werden.
1911
Gemeinderath: "Es wird beschlossen, fortan alle Kinder der Armenanstalt Mels über 3 Jahren in auswärtigen Anstalten zu versorgen"
1921
Aufgenommen wird die mit grossem Abstand älteste Bürgerin, Elisabeth Ackermann, genannt "Wurzen-Bethli" im Alter von 97 Jahren. Bisher hat sie sich ihren Unterhalt im Sammeln von Wurzeln und Beeren gesichert.
1925
"Wurzen-Bethli" feiert am 25.April den 100.Geburtstag. Zu diesem Anlass wird allen Insassen ein Festessen mit Wein verabreicht. Für diese Zeit ein absolut aussergewöhnlich hohes Alter. (durchschnittliche Lebenserwartung um die Jahrhundertwende lag bei unter 50 Jahren, Männer sogar 45 Jahren!)
1925
Gemäss Querverweis gibt es eine Hausordnung von 1925. Bisher nicht auffindbar
1937
Ein Freudenfest für die Ingenbohler Schwestern: Eine elektrische Waschmaschine wird angeschafft.
1946
Das erste Badezimmer wird eingerichtet, - allerdings nur für die Schwestern .
1950
Als aussergewöhnliche Neuerung wird die Küche mit einem grossen elektrischen Herd versehen
1948
Auszüge aus Hausordnung von 1948:
....an Ordnung + Reinlichkeit zu halten....
....das Ausgehen nur mit Bewilligung der SR Oberin gestattet -- Rückkehr zur angesetzten Zeit zu melden....
....Wirtschaftsbesuche untersagt....
....Pflicht zum Arbeiten in Haus und Landwirtschaft....
....willig unterzuordnen ....
....Besuche v Verwandten gestattet, aber nur mit An- und Abmeldung bei Sr Oberin...
....Pflicht zu Gottesdienstbesuch ....
....Tagesordnung: 06.00 Aufstehen, 6.30 Morgenessen, ....... 20.00 Bezug der Schlafstätten ...
....Zuwiederhandlungen bestraft mit Mahnung, Most- Tabak- und Taschengeldentzug, schwere Vergehen mit Arrest.....
1958
"Neues Bürgerheim" wird an der Klosterstrasse eröffnet, für damalige Begriffe sehr "komfortabel und fortschrittlich" gebaut. (Zimmer für maximal 4 Personen, in jedem Zimmer
ein Lavabo!) Allerdings gemäss Anweisung von "St.Gallen" ohne Lift, da "für ältere Leute treppenlaufen gesund ist". Architekt war A.Rigendinger,Flums
1961
Altes Waisenhaus bei jetziger Omag wird abgebrochen
1972
Erweiterung Bürgerheim, dieses Mal mit Lift. Ebenfalls wichtige Neuerung war "ein Badzimmer, eine Duschanlage und eine Fusswaschanlage" für die Bewohner. Projektverantwortlicher war Architekt Martin Egert.
1988
Am 1.Oktober werden die Ordensschwestern ins Mutterhaus Ingenbohl zurückgezogen , die Leitung wird in "weltliche" Hände gegeben.
1991
Eröffnung Neubau Altersheim Melibündte mit Verbindungsgang zu Altbau, alle Bewohner ziehen in Neubau um, und der Altbau wird komplett saniert. Als Hauptverantwortlicher Architekt zeichnete das Büro Filippi, Mels
1992
Offizielle Gesamteröffnung des neuen Altersheims Melibündte (neu 60 Plätze)
1995
Grosser gedeckter Sitzplatz (Pavillon) im Garten wird eröffnet
1999
Infolge langer Warteliste wird Projekt für nochmalige Erweiterung ausgearbeitet
2001
Bezug der Neubauerweiterung ( + 14 Plätze, total dann 74 Bewohner)
2009
Direkt neben Altersheim Melibündte eröffnet die "Genossenschaft Alterswohnungen Mels" unter Mithilfe der pol.Gemeinde Mels 21 neue Alterswohnungen, deren Bewohner von den Dienstleitungen des Altersheim im Baukastensystem profitieren können.
Copyright Hans Hutter, Heimleiter