Larchers Monumental-Krippenanlage
Erbaut in den Jahren 1920 - 1930 durch Josef Larcher,
geb 1878, gest 1973 in Mels.
Er war ein Tiroler aus Jerzens im Piztal, Schuhmacher von Beruf und Krippenbauer aus Passion.
Er kam 1912 in die Schweiz, lebte mit seiner Familie seit 1932 auf der "Platte" (jetzt Fabrikstrasse) in Mels und schuf in dieser Zeit unzählige kunstvolle Weihnachtskrippen für Familien aus nah und fern.
Sein grösstes Werk war diese Monumental-Krippenanlage, mit der er seinerzeit sogar von grossen Warenhäusern in Zürich engagiert wurde.
Während des Jahres war sie damals in einem Schuppen auf der "Platte"aufgebaut und konnte von Kindern und Erwachsenen besichtigt werden und für einen kleinen Batzen liess der Erbauer jeweils auch den grossen Drehstrommotor mit den vielfältigen Transmissionen laufen.
Auf der Suche nach Material für die Adventsdekoration stiess ich auf Informationen über diese Krippenanlage, welche ich - bevor ich die Ausmasse kannte - vom Sohn des Erbauers, Stefan Larcher in Sargans, mieten wollte.
Auf den Einwand von Herrn Larcher wegen der Unmöglichkeit des Transportierens durfte ich die Anlage besichtigen und war regelrecht überwältigt.
Trotz der misslichen Aufbewahrung und dem nur teilweisen Aufbau in einem sehr feuchten Keller war dieses grosse Werk äusserst sehenswert.
Nach einem ausführlichen Gespräch mit Herrn Larcher auch über die Zukunftsaussichten der Anlage und einigen Stunden Ueberlegens meinerseits über die Restaurationsmöglichkeiten war mir klar, dass die Erhaltung dieser Anlage für alle Zeiten gesichert werden müsse.
In kürzester Zeit konnten wir dann unter Mithilfe von Herrn Gemeindammann Josef Good und einem Testat die ganze Anlage mit div Einzelteilen von der Familie Larcher käuflich erwerben mit der Zusicherung von Stefan Larcher, -der damals immerhin auch schon weit über 80 Jahre alt war-, dass er mir mit Rat und Tat bei einem möglichst authentischen Wiederaufbau und Restauration helfen würde.
Zustand der ursprünglichen Anlage
Die ursprüngliche Anlage mass ca 4 m in der Breite und 2,5 m in der Tiefe. Die ganzen mechanischen Teile wurden von einem 380V-Motor angetrieben und die Kraftübertragung geschah über viele Transmissionen mit Lederriemen und Holzbullies.
Die Beleuchtung der Häuser war bescheiden, denn erstens war das eine Kostenfrage und zweitens war die Technik noch gar nicht vorhanden, um mit möglichst kleinen Lämpchen eine gute indirekte Ausleuchtung zustande zu bringen.
Bedingt durch die Transmissionen (ohne Kugellager!) war die Mechanik sehr laut und vibrationsreich, dadurch äusserst störanfällig und mittlerweise teilweise auch irreparabel.
Viele Schäden erlitt die Anlage durch die verschiedenen Transporte und durch feuchte Lagerräume.
Vor allem während der 40/50er-Jahre in der Baracke auf der Platte mit einem undichten Dach setzten ziemliche Wasserschäden der Anlage stark zu.
Die Restauration
Von Anfang an war klar, dass wir die Anlage in den ursprünglichen räumlichen Ausmassen nicht belassen konnten. Ein direktes Vierteilen war technisch auch nicht machbar. Die Vorgaben waren für uns:
-Das jeweilige Auf- und Abbauen musste relativ einfach und mit wenig Aufwand machbar sein.
-Die Einzelteile durften die Ausmasse von Bettenlift und Türen nicht überschreiten, um die Lagerungsmöglichkeiten zu gewährleisten.
-Die fertige Anlage sollte Ausmasse haben, welche eine optimale Zurschaustellung im einzig möglichen Raum, dem Verbindungsgang, zulassen.
Aus diesen Gründen entschlossen wir uns rasch einmal, die gesamte Anlage komplett auseinanderzunehmen und auf 4 neuen, aneinanderkoppelbaren und fahrbaren Tischen von je 2 m Länge neu zu arrangieren. Dadurch bekamen wir das heutige Ausmass der Anlage von 8 m Länge und 1.2 m Tiefe, wobei die ganze Rückfront mit der Original-Kulisse abgedeckt werden konnte.
Nun passt sie in den Proportionen bestens in den Raum, und durch die längere Front haben viel mehr Betrachter Platz.
Diese Lösung brachte einerseits den grössten Arbeitsaufwand, bot aber anderseits auch die beste Möglichkeit für eine umfassende Restauration der Gebäude und der Technik.
Die Antriebstechnik musste komplett erneuert werden durch den Ersatz mit einem Dutzend Kleinmotoren mit Direktantrieb der beweglichen Teile.
Sämtliche Gebäulichkeiten konnten nun dank modernen Lämpchen gut ausgeleuchtet werden ohne sichtbare Lichtquellen.
Ein für den Erbauer nicht verwirklichbarer Wunsch konnte dank moderner Minilämpchen jetzt nachträglich eingebaut werden, nämlich der Sternenhimmel direkt in der Kulisse Die Figuren mussten alle geputzt und neu bemalt werden, einzelne infolge zu starker Beschädigung oder Verlust auch durch Neue ersetzt und in der Bemalung an die Originale angeglichen werden.
Für das ganze Gelände wurden soweit möglich Originalstücke zusammengesetzt und nur die fehlenden Stücke originalgetreu nachgebaut.
Bei den Gebäuden wurde nur repariert und teilweise neu gemalt, ansonsten sind es aber alles Originale.
Die Techniken des Erbauers oder: Recycling vor 80 Jahren
Der Erbauer Josef Larcher sel. war Schuhmacher von Beruf und fertigte nebenbei viele kleinere und grössere Krippen für den Hausgebrauch und für Kapellen an. Noch heute besitzen viele Familien in der Region eine "Larcher-Krippe". Bei der älteren Generation ist die Erinnerung an diese grosse Krippenanlage noch sehr präsent und sie wissen noch genau, dass Jung und Alt glänzende Augen bekam, wenn der Erbauer seine Anlage für ein "Zwänzgi" oder weniger dem Publikum vorführte. Reich wurde Josef Larcher damit nicht, denn der Unterhalt der Krippe verschlang die spärlichen Einnahmen sofort wieder.
Im Zwang dieser einfachen finanziellen Verhältnisse hat dieser Mann etwas gemacht, was heute als äusserst modern und umweltgerecht taxiert wird, nämlich das Recycling. Es existiert in der ganzen ursprünglichen Anlage kaum ein einziges Brett oder Stück Holz direkt vom Schreiner. Fast alles besteht aus Holzabfällen, Seifenkistenbrettern, Kork, Baumrinde, Wurzelholz, Karton- und Papiermachée und vielen Lumpen und Stoffresten. Auch die verwendeten Metallteile sind mit Sicherheit wiederverwertete Materialien wie z.B. Eisenbeschläge von Wagenrädern. Und alles hielt mit kiloweise Schusternägeln zusammen. Seine Mal- und Beschichtungstechniken hat er sich wahrscheinlich grösstenteils mit "Pröbeln" selber angeeignet, denn sie sind teilweise komplett anders im Aufbau als bei anderen Krippenbauern.
Der Baustil der Gebäude
Die Faszination der Anlage beruht zu einem grossen Teil auf dem Baustil der verschiedenen Gebäude.
Obwohl der Erbauer nie in einem der Biblischen Länder war und den Baustil dieser Häuser also nur von Bildern her kennen konnte, gelang es ihm trotzdem ausgezeichnet, diese Häuser wirklichkeitsgetreu nachzuempfinden rep. zu bauen.
Alle Wohnhäuser sind orientalische Stein- oder Lehmhäuser wie in Wirklichkeit, einzig das Haus des hl Josefs ist ein Holzhaus. Dabei spielte das Empfinden des Erbauers mit, dass ein Zimmermann doch bestimmt ein selbstgebautes Holzhaus gehabt habe.
Ebenfalls aus Holz sind natürlich die Fischerhütten und die Hütten und Unterstände der Hirten.
Ueberraschend ausgewogen sehen sämtliche Proportionen und Relationen der ganzen Anlage aus, die Gebäude sind also im gleichen Masstab gebaut wie die Figuren. Täuschend echt sehen auch "baufällige" Gebäude aus wie z.B. der Geburtsstall.
Die Darstellungen auf der Anlage
Die Anlage stellt nicht nur den Geburtsstall dar, sondern "erzählt" verschiedene Begebenheiten aus der Weihnachtsgeschichte:
-Verkündigung durch den Engel an die Hirten
-Das Hirtenfeld in Bethlehem
-Die 3 Könige wandern dem Stern nach
-Herodes debattiert mit dem hohen Rat
-Maria Verkündigung in der Wohnstätte in Nazareth
-Begrüssung bei der Base Elisabeth
-Tempeldarstellung mit Ziehbrunnen
-Die Opferung im Tempel -Die Herbergssuche
-Geburtsstall mit der hl. Familie, den 3 hl.Königen + Hirten
-Die Samariterin pumpt am Jakobsbrunnen
-Die Flucht nach Aegypten
-Die Rückkehr aus Agypten zur Wohnstätte in Nazareth
u.v.m.
Schaukasten neben der Anlage
Im Schaukasten neben der Anlage sind verschiedene originale Einzelstücke ausgestellt, die nicht mehr verwendet werden konnten.
So sieht man die Mechanik vom Herodes mit dem hohen Rat, die sich jeweils halb nach rechts und halb nach links drehen.
Ein Beispiel der ursprünglichen Transmission mit den äusserst einfach gemachten Bullis ist ausgestellt.
Auch einen Teil eines ursprünglichen Laufbandes mit irreparablen Figuren kann man sehen, dazu einige defekte Figuren im Originalzustand.
Copyrigt Hans Hutter, Heimleiter